VW und Händler knicken in 100% der Fälle in zweiter Instanz ein

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Nach Dieselgate: Das passiert mit den Preisen gebrauchter VW-Modelle

Immer mehr Besitzer von VW-Modellen mit dem "Schummelmotor" EA189 wollen ihr Auto loswerden. Doch was bedeutet das für die Preise? Restwert-Experten sagen: Keine Panik. 

In den USA entschädigt Volkswagen seine geprellten Kunden mit großzügigen Rückkauf-Angeboten. Grund ist der massive Wertverlust von Diesel-Fahrzeugen mit dem VW-Logo . In Deutschland dagegen verweigert VW jegliche Form von Entschädigungsleistungen. Die Wolfsburger stehen auf dem Standpunkt: Die Autobesitzer hätten keinen überdurchschnittlichen Wertverlust zu verkraften.

Restwert-Experten sind vorsichtig

So sehen das auch Restwert-Experten, die FOCUS Online bereits vor einigen Monaten befragt hatte . Einhellige Meinung: Langfristig werden die EA189-Dieselfahrzeuge nicht überdurchschnittlich an Wert verlieren. Die Experten machen diese Einschätzung allerdings von einer wichtigen Voraussetzung abhängig: Der Rückruf, bei dem die Schummel-Software entfernt wird, läuft reibungslos ab und ist nicht mit Nachteilen für die Fahrzeugbesitzer verbunden. Im Oktober 2016 bekräftigte Schwacke diese Prognose und kam zu einer ungewöhnlich positiven Bewertung der VW-Preise. Die Nachfrage nach einzelnen VW-Modellen mit dem betroffenen Motor EA 189 habe im Vergleich zum beobachteten Vorjahreszeitraum sogar etwas zugelegt, besagen zudem Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). Beide Organisationen warnen übereinstimmend vor einer Panikmache. Betroffene Besitzer, die mit Verkaufsgedanken spielten, müssten weder Preisabschläge noch nachlassendes Interesse auf Käuferseite fürchten.

Golf hält sich wacker, Tiguan im Sinkflug

Deutschlands größter Automarkt mobile.de hat exklusiv für FOCUS Online die Inserats-Zahlen und die Preisentwicklung von VW-Modellen mit EA189-Dieselmotoren von September 2015 (da wurde der Abgas-Skandal öffentlich gemacht) bis heute analysiert. Und dabei kommen teilweise andere Ergebnisse heraus. Bei allen Inseraten handelt es sich um gebrauchte unfallfreie Pkw, die auf mobile.de im jeweiligen Monat gelistet waren. Alle Fahrzeuge hatten mindestens eine Erstzulassung ab 2007 und EA189-Motoren (mindestens 55 kW und 1598 bzw. 1968 ccm Hubraum). Das sind die Ergebnisse:

  • Die Durchschnittspreise für Dieselmodelle mit EA189-Motoren sanken seit September 2015 zwar nicht dramatisch, aber immerhin um 6,4 Prozent. Nach einem Tief im September 2016 (Durchschnitt erstmals unter 20.000 Euro) zogen die Preise zuletzt wieder leicht an.
  • Gleichzeitig werden immer mehr Fahrzeuge angeboten: Die Zahl der Inserate mit EA189-Modellen stieg um 23 Prozent.
  • Interessant ist der Gewinn oder Verlust einzelner Modelle im Vergleich zur gesamten Preisentwicklung bei EA189-Motoren. Den Tiguan erwischt es besonders heftig: Seine Durchschnittspreise sanken von September 2015 bis Oktober 2016 um fast 16 Prozent.
  • Beim Golf liegt das Minus bei moderaten 3,8 Prozent, beim Caddy bei 15 Prozent, beim Sharan bei 14 Prozent und beim T5 Multivan sind es minus 11,7 Prozent.
  • Lichtblick ist der VW Passat: Hier stiegen die Durchschnittspreise für gebrauchte Modelle sogar an, und das um satte 16,7 Prozent.

"Für den relativ stabilen Durchschnittspreis für Dieselmodelle von VW sind die beliebten Modelle Golf und Passat verantwortlich. Während der Preis des Golf um knapp 4 Prozent nachgab, konnte der Passat sogar ein Plus von über 16 Prozent verzeichnen. Damit federten die beiden Modelle die negative Preisentwicklung des Sharans und Tiguans ab. Die Preise für VW-SUV und Vans sanken jeweils über 14 Prozent", so die Analysten von Mobile.de.

Golf und Passat verhindern Preisverfall

Weiter heißt es: "Das Beispiel VW Golf zeigt, dass der Golf im September 2015 zu 16,8 Prozent den Gesamtdurchschnittspreis für alle VW Modelle bestimmt hat. Im Oktober 2016 ist der Wert auf 25,6 Prozent gestiegen. Das erklärt auch, weshalb so viele Modelle einen deutlichen Preisverfall sahen, aber der Gesamtdurchschnittspreis über alle VW-Modelle nur relativ gering gesunken ist. Der geringe Preisverfall beim Golf und der leicht gestiegene Preis beim Passat sichern den VW-Preis ab", so die Analysten.

Stützen VW-Händler selbst die Preise?

Die Daten passen zu den Aussagen einiger VW-Kunden, die gegenüber Autohäusern auf Rückgabe ihres Autos klagen: Sie könnten ihre EA189-Fahrzeuge nur mit erheblichen Preisabschlägen verkaufen, so die Behauptung.

Offenbar versuchen Händler, den Preisverfall aufzufangen und damit verärgerte Kunden zufriedenzustellen. Eine große Autohaus-Kette aus dem süddeutschen Raum zum Beispiel, die alle vier Konzernmarken (VW, Audi, Seat und Skoda) führt, ist bereit, das jeweilige vom Skandal betroffene Fahrzeug zu einem deutlich höheren als dem nach einer Schätzung  durch Sachverständige ermittelten Preis anzukaufen . Besonders Käufer hochpreisiger Fahrzeuge will man offenbar nicht verprellen, unabhängig von der harten Linie aus Wolfsburg. Nach Informationen von FOCUS Online werden zum Beispiel bei einigen Porsche-Händlern Kunden mit Dieselmodellen (Cayenne und Macan), die ihre Autos loswerden möchten, mit Nachlässen für ein neues Modell - auch mit Benzinmotor - bei der Stange gehalten.

Unklarheit über Folgeschäden

Festzuhalten bleibt: Ein erheblicher Preisverfall bei EA189-Modellen zeichnet sich zumindest nach bisherigen Zahlen nur bei wenigen Modellen ab. Dennoch müssen VW-Besitzer weiter mit der Unsicherheit leben, ob bei umgerüsteten, also von der Schummel-Software "befreiten" Autos möglicherweise Folgeschäden nach dem Update zu befürchten sind. Wie der "Spiegel" berichtet, gehen Beamte der EU-Kommission von solchen Folgeschäden aus: Das Abgasrückführungsventil, der Speicherkatalysator oder auch der Partikelfilter könnten vorzeitig versagen, so der Verdacht.

Was für diese Theorie spricht: Die Schummel-Software kam unter anderem deshalb zum Einsatz, weil bei VW-internen Tests vor mehreren Jahren bei voller Abgasrückführung (entsprechend den gesetzlichen Vorgaben) schon nach 50.000 Meilen (rund 80.000 Kilometer) der Partikelfilter zerstört wurde. Darüber berichtet die Staatsanwaltschaft New York in einer Klageschrift gegen VW. Durch die Software-Trickserei (volle Abgasrückführung nur auf dem Prüfstand) wollte VW also offenbar die Dauerhaltbarkeit erhöhen und trotzdem die geforderten Grenzwerte einhalten. Das Problem: Nach dem Update, also nach Entfernung der Abschalteinrichtung, laufen die Dieselmotoren nun wieder mit voller Abgasrückführung. Partikelfilter und andere Komponenten werden aber nicht ausgetauscht.

VW gibt keine echte Garantie

Es bleibt also die Frage, ob die neue Software langfristig mit der unveränderten Hardware harmoniert. VW verweigert eine entsprechende Garantie - gibt aber immerhin eine allgemeine Zusicherung: "Das Software-Update zeigt keine nachteiligen Einflüsse auf den Verbrauch oder die Dauerhaltbarkeit des Motors und seiner Komponenten." Die Beweislast dürfte im Falle des Falles wohl beim Autobesitzer liegen. VW könnte einem weiteren Preisverfall der EA189-Modelle mit einer echten Garantie womöglich effektiver begegnen.

Prof. Dr. Marco Rogert
Prof. Dr. Marco Rogert

Rechtsanwalt / Wirtschaftsjurist

E-Mail : office@ru-law.de

Telefon : +49 (0)211-310 638-0

Professur für Wirtschaftsrecht
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Fachanwalt für Transport- und Speditionsrecht

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