VW ABGASSKANDAL

Wann endet die Verjährungsfrist für Schadenersatzansprüche?

Der Diesel-Abgasskandal beschäftigt die Gerichte bereits seit fast fünf Jahren. Habe ich überhaupt noch eine Chance, auf Schadenersatz zu klagen oder sind alle Ansprüche längst verjährt, fragen Betroffene, die bislang noch keine rechtlichen Schritte eingeleitet haben. Hier finden Sie alle Informationen zur Verjährungsfrist im Abgasskandal.

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Üblicherweise können Autokäufer Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer aufgrund von Sachmängeln bis zu zwei Jahre nach dem Fahrzeugerwerb geltend machen. Allerdings stellen die illegalen Abschalteinrichtungen, die VW in Dieselautos eingebaut hat, eine vorsätzlich sittenwidrige Schädigung dar. Bei diesem Schadensersatz-Anspruch gilt grundsätzlich eine Verjährungsfrist von drei Jahren bis zum Jahresende. Wann genau diese Frist beginnt, ist allerdings nicht klar. Laut § 199, Abs. 1 Nr. 1 BGB beginnt sie einerseits am Ende des Jahres, in dem der Schaden entsteht, also als die illegalen Abschalteinrichtungen in das Fahrzeug eingebaut wurden. Andererseits ist auch relevant, wann der Eigentümer des Fahrzeugs von der Abgasmanipulation und von seinen Ansprüchen erfahren hat (§ 199 Abs. 1 Nr. 3 BGB).

Ab wann wussten betrogene Dieselkäufer von ihrem Entschädigungsanspruch?

Genau hier liegt die Krux: Ab wann hatten geschädigte Autobesitzer wirklich Kenntnis von den Abgasmanipulationen und ihren daraus resultierenden Ansprüchen gegenüber den Herstellern? Ab dem 22. September 2015, als VW in einer Ad-hoc-Mitteilung über „Unregelmäßigkeiten bei der Entwicklung von Dieselmotoren.“ informiert hat? Nach dem Beginn der Rückruf-Aktion des Kraftfahrt-Bundesamts am 15. Oktober 2015? Oder konnten die Betroffenen erst 2017, als die ersten Gerichte verbraucherfreundliche Urteile gefällt hatten, davon ausgehen, dass sie Schadenersatzansprüche an VW haben?

Ein bemerkenswertes Urteil zu diesen Fragen hat das Landgericht Trier gefällt (19.09.2019, Az. 5 O 417/18): Die dreijährige Verjährungsfrist könne erst beginnen, wenn es eine höchstrichterliche Entscheidung gebe.

 

Solange eine Entscheidung des BGH nicht vorliegt, muss die Rechtslage als ungeklärt angesehen werden

 

Der Auffassung des Landgerichtes Trier haben sich sowohl das Landgericht Frankfurt am Main (Urteil vom 05.02.2020, Az. 2-O4 O 321/19) als auch das LG Duisburg (Urteil vom 20.01.2020, Az. 4 O 165/19) angeschlossen. Letzteres geht sogar noch weiter. In dem Urteil heißt es:

Einem Geschädigten ist die Klageerhebung objektiv unzumutbar, weil für ihn nicht vorhersehbar ist, wie eine Klage von einem damit befassten Gericht entschieden wird. Es hängt für ihn letztlich vom Zufall ab, ob er an einen Spruchkörper gerät, der seiner Klage stattgibt oder sie abweist. Zwar ist inzwischen eine Tendenz innerhalb der Rechtsprechung zugunsten von geschädigten Fahrzeugeigentümern erkennbar. Solange eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs in einem vergleichbaren Fall nicht vorliegt, muss die Rechtslage aber als ungeklärt angesehen werden. Das benachteiligt die Beklagte auch nicht unangemessen; sie hat es mit in der Hand, eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs und damit eine Klärung der Rechtslage herbeizuführen.

Solange also der BGH keine Entscheidung in den Abgasfällen getroffen hat, beginnt auch die Frist nicht zu laufen. Dabei ist interessant, dass sich der für das VW-Verfahren zuständige 6. Senat bereits in früheren Verfahren zum Thema Verjährungsbeginn geäußert hat. So weist das Gericht etwa in einem Urteil vom 31. Januar 1995 darauf hin, dass ein Geschädigter „nicht verpflichtet ist, im Interesse des Schädigers … eigene Initiativen zur Erlangung der Kenntnis über den Schadenshergang und die Person des Schädigers zu entfalten. In einem weiteren Urteil (18.01.2000, Az. VI ZR 375/98) hat der Senat die Rechtsauffassung noch einmal bestätigt. Geschädigte Autokäufer müssten demnach nicht im Interesse der Autokonzerne übermäßige Aktivitäten entfalten, um einen frühen Verjährungsbeginn sicherzustellen.  

 

Prof. Dr. Marco Rogert

Prof. Dr. Marco Rogert
Rechtsanwalt / Wirtschaftsjurist


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„Nach unserer Rechtsauffassung beginnt die dreijährige Verjährungsfrist erst, wenn für die Geschädigten eine zutreffende Einschätzung der Rechtslage möglich ist. Wie die Richter in Trier bereits 2019 entschieden haben, muss dafür ein Urteil des BGH vorliegen. Wir erwarten, dass das Verfahren des BGH am 5. Mai Klärung bringt. Letztlich muss aber jeder Fall individuell geprüft werden. Deshalb empfehlen wir allen Betroffenen, anwaltlichen Rat einzuholen.“

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VW Vergleich hemmt die Verjährung

Für alle Dieselkäufer, die sich zur Musterfeststellungsklage (MFK) gegen VW registriert haben, ist der Fall klarer. Die Anmeldung zur MFK hemmt die Verjährung. Das gilt auch für Geschädigte, die ihre Teilnahme widerrufen haben – und zwar bis zu sechs Monate nach Rücknahme der Anmeldung. So hat das Landgericht (LG) Köln entschieden (15.1.2020, Az. 17 O 185/19). Zur Musterfeststellungsklage Registrierte, die kein Vergleichsangebot erhalten haben oder es nicht annehmen wollen, müssen bis 20. Oktober 2020 ihre Individualklage einreichen – auch sie sollten jetzt keine Zeit verlieren.

Ihre Anwälte im Abgasskandal

Als führende Anwälte im Abgasskandal stehen wir Ihnen bei allen Fragen rund um Ihren Schadenersatzanspruch zur Seite und prüfen Ihre Ansprüche. Dafür sind wir zurzeit nicht nur während der Woche, sondern auch am Wochenende unter der Rufnummer (0)2234/21 94 80 von 9 bis 18 Uhr erreichbar.

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